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Psychofallen-Lexikon · 🎰

Overtrading

Du handelst, weil du da bist, nicht weil ein Setup da ist.

„Elf Trades heute. Gefühlt war es ein normaler Tag, bis ich ins Journal geschaut habe. Mein Plan erlaubt drei."

1 · Was ist das überhaupt?

Overtrading heißt: deutlich mehr Trades, als dein Plan vorsieht, und vor allem mehr, als es Setups gab. Es kommt in zwei Formen: als heißes Overtrading (im Anschluss an Verluste, verwandt mit Tilt) und als kaltes Overtrading (das stille Dauerklicken aus Beschäftigungsdrang, das sich gar nicht dramatisch anfühlt). Die zweite Form ist tückischer, weil sie keinen Alarm auslöst.

2 · Warum gibt es das?

Dein Gehirn verwechselt Aktivität mit Produktivität. In fast jedem Beruf gilt: mehr tun = mehr schaffen. Trading ist einer der wenigen Berufe, in denen Warten die Arbeit ist, und darauf ist das Belohnungssystem nicht gebaut. Es langweilt sich, sucht seinen Dopamin-Kick, und jeder Klick liefert einen: Einstieg, Spannung, Auflösung, wieder von vorn. Derselbe Schaltkreis, den Spielautomaten anzapfen, nur dass dein Automat den vollen Hebel hat.

3 · Was hat die Forschung gemessen?

Wer am meisten handelt, verdient am wenigsten. Brad Barber und Terrance Odean haben 2000 im Journal of Finance die Depots von 66.465 Haushalten bei einem großen amerikanischen Discountbroker ausgewertet, über die Jahre 1991 bis 1996. Das Fünftel, das am häufigsten handelte, erzielte nach Kosten 11,4 Prozent im Jahr. Der Markt brachte im selben Zeitraum 17,9 Prozent. Der Titel der Arbeit heißt übersetzt: Handeln gefährdet Ihr Vermögen.

Daytrader in Zahlen. Barber, Lee, Liu und Odean haben 2014 sämtliche Daytrader in Taiwan über die Jahre 1992 bis 2006 untersucht, rund 450.000 Menschen. Weniger als ein Prozent von ihnen verdiente nach Gebühren verlässlich und vorhersagbar Geld.

Diese Zahlen sagen nicht, dass Trading unmöglich ist, sondern dass Menge kein Vorteil ist. Wenn du einen Vorteil hast, liegt er in der Auswahl.

4 · Was heißt das für dein Trading?

Jeder Trade jenseits deiner Setups verwässert deinen statistischen Vorteil. Wenn du einen hast, lebt er von Selektion. Dazu kommen Gebühren, Spread und etwas Unsichtbares: Erschöpfung. Wer um 11 Uhr schon acht Trades gemacht hat, trifft die Entscheidung um 15 Uhr nicht mehr mit demselben Kopf. Bei Prop-Konten frisst Overtrading die Consistency-Regeln an, die über die Auszahlung entscheiden.

5 · Was kannst du dagegen tun?

Was mir geholfen hat

Eigentlich bin ich kein Overtrading-Typ, im Normalfall handle ich sehr kontrolliert. Bei mir kam das Overtrading immer aus den Verlusten: Nach einem Verlust sind mir die Sicherungen durchgebrannt, und aus wenigen geplanten Trades wurden viele. Geholfen hat mir deshalb dasselbe wie beim Revenge-Trading. Ich habe ausgerechnet, was mich diese zusätzlichen Trades wirklich kosten, mir das Ergebnis schwarz auf weiß hingelegt und mir vorgenommen, es einen Monat lang bewusst anders zu machen.

Heute drücke ich an solchen Tagen außerdem den Knopf, den ich mir in Nemesis eingebaut habe und der meine Konten bis zur nächsten Markteröffnung sperrt. Das Wichtige daran ist für mich weniger die Sperre als die bewusste Entscheidung: Ich drücke, und damit ist der Tag für mich abgeschlossen.

Wer hier schreibt

6 · Und was hat das mit Phoenix zu tun?

Max Trades pro Tag in Nemesis ist die harte Grenze: Nach dem letzten erlaubten Trade ist der Tag vorbei. Die Plattform macht zu. Das Journal hat den Overtrading-Modus, der mit Absicht unangenehm ist: Hast du deine eigene Grenze gerissen, musst du jeden einzelnen Trade dokumentieren und die Pflicht-Reflexion schreiben (ab welchem Trade war das Revenge, Tilt oder Langeweile?), sonst lässt sich der Tag nicht speichern. Die Mühe ist die Konfrontation.

Häufige Fragen

Was ist Overtrading?

Overtrading heißt, dass du deutlich mehr Trades machst, als dein Plan vorsieht, und vor allem mehr, als es Setups gab. Es gibt eine heiße Form nach Verlusten und eine kalte Form aus Beschäftigungsdrang. Die kalte Form fällt erst abends auf, wenn du die Zahl im Journal siehst.

Wie viele Trades am Tag sind zu viel?

Eine allgemeine Zahl gibt es nicht, weil sie von deiner Methode abhängt. Zu viel ist jeder Trade über der Obergrenze, die du dir vor dem Handelstag gesetzt hast. Leg diese Zahl schriftlich fest und zähl sichtbar mit, zum Beispiel mit Strichen auf einem Zettel neben dem Bildschirm.

Was kostet mich Overtrading?

Gebühren und Spread fallen bei jedem Trade an, egal wie er ausgeht. Rechne es einmal aus: die Zahl deiner Trades im letzten Monat mal die durchschnittlichen Kosten je Trade. Dazu kommt, dass jeder Trade ohne Setup deinen statistischen Vorteil verwässert. Bei Prop-Konten greift Overtrading außerdem die Consistency-Regeln an, die über die Auszahlung entscheiden.

Quellen

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